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Im letzten Jahr engagierte sich das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in vielen Themen und Konferenzen zugunsten der dringend erforderlichen Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme, sowie einer nachhaltigen Ernährung. Die 46. Plenarsitzung des Ausschusses für Welternährungssicherheit (Oktober 2019) soll an dieser Stelle herausgestrichen werden. 

46. Plenarsitzung des Ausschusses für Welternährungssicherheit (CFS) von Oktober 2019

Das Komitee für Welternährungssicherheit (CFS) spielt eine Schlüsselrolle bei der globalen Gouvernanz für Ernährungssicherheit. Es ist zudem in die globalen Gespräche im Zusammenhang mit der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung involviert. An der 46. Plenarsitzung wurden verschiedene Aspekte mit Bezug zu den Themen Ernährung, Multi-Stakeholder Partnerschaften, und nachhaltige Entwicklungsziele diskutiert. 

Der Status-Bericht 2019 zur Ernährungssicherheit und Ernährung in der Welt wurde am CFS veröffentlicht und präsentiert. Die Schweiz zeigte sich zutiefst besorgt darüber, dass der Welthunger zum dritten Mal in Folge steigt (821 Millionen Menschen). Sie betonte die Notwendigkeit eines transformativen Wandels der Agrar- und Ernährungssysteme und nannte in diesem Zusammenhang drei Schlüsselelemente um diesen Wandel zu beschleunigen: 1) einen ganzheitlichen Ansatz für nachhaltige Ernährungssysteme, 2) inklusive Multi-Stakeholder-Partnerschaften und 3) Agrarökologie.

Das Arbeitsprogramm 2020–2023 des CFS sieht vier neue Schwerpunkte vor: 

  1. Gender equality and women’s empowerment for food security and nutrition (FSN),

  2. Reducing inequalities for FSN, 

  3. Youth employment, rural transformation and territorial approaches, und 

  4. Data Collection for SDG2. 

Der Bericht «Agroecological and other innovative approaches for sustainable agriculture and food systems that enhance food security and nutrition» war im Juli 2019 veröffentlicht worden. Die Schweiz begrüsste an der Plenarversammlung insbesondere dessen wissenschaftliche Qualität, sowie den politischen Konvergenzprozess zu Erarbeitung von Politikempfehlungen. Die Politikempfehlungen sollen in den nächsten Monaten erarbeitet werden und der nächsten Plenarsitzung (Februar 2021) zur Annahme vorgelegt werden. 

An seiner 45. Plenarsitzung (2018) hatte der CFS die Erarbeitung von freiwilligen Richtlinien für Ernährungssysteme und Ernährung beschlossen. Der 46. Plenarsitzung wurde ein Update zum Prozess der Erarbeitung dieser Richtlinien zur Kenntnisnahme vorgelegt. Die Verabschiedung der Richtlinien ist für Februar 2021 geplant.

Die Schweiz war Mitorganisatorin eines Side Events zum Thema Agrarökologie und nachhaltige Ernährungssysteme. Zudem organisiert das schweizerische und das schwedische FAO-Komitee gemeinsam einen Side Event zum Thema: «Growing Young Agripreuneurs – How can the next generation of agri-businesses support the transition to sustainable agriculture?».
 

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Fünf Jungunternehmer aus Armenien, Indien, Kolumbien, Schweden, Südafrika referierten über ihre Möglichkeiten, die Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme voranzutreiben (Quelle: FAO/Giuseppe Carotenuto)

Agrarökologie

Agrarökologie ist international wie auch national ein unterdessen viel verwendeter Begriff. Er taucht sowohl in Beschlüssen der FAO wie auch im politischen Diskurs immer öfter auf, meist im Zusammenhang mit der notwendigen Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit der Ernährungssysteme.

Agrarökologie bezeichnet eine ganzheitliche, systemorientierte und wissenschaftsbasierte Landwirtschaft, die sich an sozialen, kulturellen, politischen, ökonomischen und ökologischen Prinzipien orientiert. Dabei bezieht sie insbesondere auch die bäuerlichen Erfahrungen im haushälterischen Umgang mit natürlichen Produktionsgrundlagen ein. Gemeinsames Lernen und der Austausch von Wissen stehen im Zentrum. Agrarökologie schliesst soziale Veränderungen ein. Dazu gehören lokale und innovative Vermarktungsmodelle, die Produzenten, Verarbeiter und Verbraucher näher zusammenbringen. 

Um ein gemeinsames Verständnis unter den Stakeholder angesichts diverser und divergierender Sichtweisen zu Agrarökologie zu fördern, haben die FAO und das CFS je eine Charakterisierung der Agrarökologie entwickelt. Die FAO hat 10 Elemente zusammengestellt, die agrarökologische Systeme charakterisieren. Im Dezember 2019 wurden diese vom FAO-Rat verabschiedet. Darauf bezugnehmend definierte das «High Level Panel of Experts» des CFS 13 agrarökologische Prinzipien, welche die Elemente der FAO ergänzen und präzisieren. Aufbauend auf den «High Level Panel of Experts»-Bericht zu Agrarökologie und anderen innovativen Ansätzen erarbeitet das CFS zurzeit politische Empfehlungen. 

Madeleine Kaufmann, BLW, Fachbereich Internationale Angelegenheiten und Ernährungssicherheit, madeleine.kaufmann@blw.admin.ch

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